BuchcoverLeseprobe

„Wie kitzle ich den Tieger, wenn er knurrt?”
– so knackt Frau den Hierarchie-Code

 

Erfolgsvoraussetzungen: Organisationsintelligenz
Neben der viel gerühmten weiblichen Sozial- und Beziehungskompetenz kommt es jetzt auf weitere Qualifikationen an, die Frauen im Allgemeinen nur schwach entwickelt haben: die Organisationsintelligenz zum einen und den Umgang mit Macht, Machtkompetenz zum anderen.

Wer sich in Organisationen bewähren will, muss wissen, wie sie funktionieren. Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und richtig zu deuten. In Hierarchien gilt es den informellen Bereich, dessen Regeln, Spiele und Rituale in Erfahrung zu bringen.

Das Organigramm bietet eine Groborientierung, indem es Strukturen aufzeigt und den Beteiligten ihre Rolle zuweist. Da alle Beteiligten an einem organisatorischen Ziel arbeiten und dabei auch persönliche Ziele verwirklichen wollen, gibt es Regeln, die den Umgang miteinander vorgeben. Sie bestimmen, wie viel Teamorientierung erwartet wird und wie die Machtverhältnisse zu gestalten sind. Balancierung und Ausgleichen sind wichtige Themen, um das Miteinander zu gestalten. Auch Machtverhältnisse sind dynamisch und es gilt, sie im Auge zu behalten.

Sylvia Bung wird in ein großes Unternehmen geholt, um es zu sanieren. Sie hat Erfahrung in anderen Betrieben gesammelt und es gelingt ihr gut, das Geschäft wieder in Schwung zu bringen.
Nach drei Jahren bemerkt sie atmosphärische Veränderungen.
In der Aufsichtratsitzung platzt die Bombe und sie ist ihre Stelle los. Warum? Ihr Konkurrent war der Stellvertreter des vorherigen Chefs und damit mitverantwortlich für die Misswirtschaft. Um nach geglückter Sanierung des Betriebs durch Frau Bung selbst wieder in die Chefposition zu kommen, legte er Frau Bung falsche Zahlen vor. Sie vertraute ihm, enthielt sich der Kontrolle und fiel ihm zum Opfer. Ihre Leistung zählte nicht, der Mogler hat sich den Chefposten erschwindelt, Frau Bung war zu vertrauensvoll.

Organisationsintelligentes Verhalten bedeutet ein Gespür für Unausgesprochenes zu haben, um den Code bezüglich Kommunikation und Verhalten richtig zu deuten und nach ihm handeln zu können. Es bedeutet die „no go Areas“ zu kennen und zu respektieren und sich strategisches Handeln anzueignen. Dazu muss frau sich Gedanken machen, wie sie sich innerhalb einer Organisation in ein Team einbringt, was sie in Erfahrung bringen muss und wie lange sie beim Beobachten ausharren muss, um wichtige Informationen zu sammeln. Sie muss auch wissen, wie sie sich verhalten muss, um den „Gruppengeruch“ anzunehmen, der sie zum Teammitglied macht, ohne sich anzubiedern. Dann braucht es ein Verhalten, das dem Team ermöglicht, sich mit diesem neuen Teammitglied zu identifizieren. Diese Voraussetzung ist eine Bedingung, wenn Mitarbeitende, vor allem Männer, „ins Boot mit einsteigen“ sollen, um Aktivitäten zu unterstützen. Nur unter dieser Voraussetzung haben eigene Ziele eine Realisierungschance. Wenn dieser „Boden der Akzeptanz“ nicht bereitet ist, wird konkurriert und Widerstand geleistet.

In Hierarchien ist es üblich, dass für Ideen im Vorhinein Verbündete gesucht werden. Diese sind Wegbereiter und erwarten natürlich, dass diese Solidarität auch ihnen widerfährt im Sinne von: „Eine Hand wäscht die andere“. Also, reichen Sie ihre Hand, damit die andere Hand die Ihrige findet. Aber, das braucht Vorbereitung und Vorsicht. Es könnte gut sein, dass die männliche Egomanie vergisst, die andere Hand zu waschen. Dann gilt es, dies einzufordern oder besser noch, gar nicht erst in Vorleistung zu gehen.

Beispiel Abramowitsch:

Roman Abramowitsch gilt derzeit als der reichste Mann der Welt unter 40 Jahren. Er zählt zu den russischen Oligarchen und ist als Waisenkind bei Verwandten in Sibirien aufgewachsen. Sein Onkel war ein glänzender Geschäftsmann, den er sich als Vorbild nahm. Zufall oder Absicht – Abramowitsch pflegte über Jelzins Tochter Irina gute Kontakte ins Zentrum der Macht. Dabei hielt er sich stets bedeckt. Es gab keine Fotos und keine Informationen von und über ihn. In dieser Position hatte er Zugang zu den wichtigsten Informationen und Kontakte. Ihm wird nachgesagt, dass er später ebenfalls zielbewusst Kontakte zu jüdischen Geschäftsleuten hergestellt hat.
Seine großen Fähigkeiten lägen darin, ein Gespür für Menschen zu haben. Schnell ist er in der Lage, die Stärken und Schwächen von Menschen einzuschätzen. Er kann hervorragend kommunizieren und Menschen gewinnen. Obwohl er sich hervorragende Kontakte zu wichtigsten Personen aufgebaut hat, zeigt er im Umgang mit der Öffentlichkeit ein eher bescheidenes Verhalten.
Langfristige Trends erkennt er früh. Er kauft sich mit seinen finanziellen Mitteln immer wieder politisch-charismatisch ein und stabilisiert sich dadurch. Im Gegensatz zu anderen Oligarchen, die inzwischen in Russland im Gefängnis sitzen oder entmächtigt wurden, versteht er es, mit den Machtinhabern so umzugehen, dass sie seine eigene Macht nicht als bedrohlich empfinden.

(nach einem Artikel des Magazins „Park Avenue“ Hamburg 1/2005)

Traditionelle Intelligenztests messen nur einen kleinen Teil des menschlichen Potenzials. Meist geht es dabei um sprachliche oder logische Fähigkeiten. Heute ist bekannt, dass intelligentes Verhalten sich aus vielen anderen Faktoren zusammensetzt, als den von Intelligenztests gemessenen.
Ulrike Stednitz schreibt darüber ausführlich in ihrem Buch: „Sprengen Sie den Rahmen“.
Neben den traditionell gemessenen Fähigkeiten wie logisch-mathematische Intelligenz oder räumliches Vorstellungsvermögen gibt es viele weitere intelligente Fähigkeiten. Wir sprechen heute z. B. von kreativer Intelligenz, Beziehungsintelligenz, emotionaler und sozialer und von körperbezogener Intelligenz.

Um Karriere zu machen ist es für Frauen ganz wichtig Ihre Organisationsintelligenz zu entwickeln. Das bedeutet:

  • Kenntnis zu haben, wie Organisationen funktionieren. Wissen um systemische Zusammenhänge, offizielle und inoffizielle.
  • Beobachten der Interaktionen in diesem System und strategische Ausrichtung des eigenen Verhaltens: Zielorientierung im Abgleich mit den systeminternen Interessen und Möglichkeiten.
  • Regeln und Rituale in Erfahrung bringen
  • Indirektes Verhalten und indirekte Kommunikation deuten können
  • Mit Unberechenbarkeit rechnen und umgehen können
  • Den Informationsfluss kennen und die Informationskanäle beherrschen, auch die informellen.
  • Kontakte herstellen und sich selbst inszenieren, um wahrgenommen zu werden.

Organisationsintelligentes Verhalten bedeutet, darauf zu achten und dafür zu sorgen, sich bei wichtigen Leuten ins richtige Licht zu setzen. Als Wegbereiter des guten Rufs zählen Ranghöhere. Machtinhaber untereinander leben ihr Konkurrenzprinzip und jeder versucht seine Favoriten weiter zu bringen. Damit küren sie sich auch selbst. Wenn ihre „Ziehsöhne“ und „Ziehtöchter“ positioniert sind, partizipieren sie ebenfalls an der Macht.