Philosophie

Gibt es Engel?

Die Präsenz von Engeln wird in den meisten Religionen beschrieben. Heute, als erwachsene, erfahrene Frau, nehme ich Engel als Energien wahr. Jeder Mensch durfte vermutlich in seinem Leben Situationen erleben, die auf unerklärliche Weise gut ausgegangen sind. Es hätte schlimmer kommen können. Als Erklärung für das Unerklärliche werden das Glück oder der Zufall zitiert. Wer spirituell denkt und lebt, dem ist diese Erklärung zu sehr an der Oberfläche.

Als Diplom-Psychologin und Künstlerin erfahre ich bei meinem Gestalten und bei der Arbeit mit Patient*innen immer wieder Eingebungen, die mich und andere weiter bringen. Man kann es Ideen oder Inspiration nennen.

Inspiration

Inspirare heißt auf lateinisch hauchen, atmen, beseelen. Aber wer haucht mir in die Seele, beseelt mich, bläst mir seinen Atem ins Gehirn? Um diese Erfahrung zu machen ist für mich der Rückzug in die Stille der Natur ganz wesentlich. Es ist ja ein innerer Dialog, der einsetzt. Man kann ihn nicht wahrnehmen, wenn man im Außen abgelenkt ist oder wenn Gedankenmüll im Gehirn einen belästigt.

In meinen malerischen Arbeiten zeigten sich plötzlich Wesen, die sich als Engel interpretieren und ausarbeiten liessen. Interessanterweise lassen sie sich nicht beliebig produzieren. Sie verlangen Zeit und wollen mental entwickelt werden bis sie auf dem Malgrund in ihren charakteristischen Farben in Erscheinung treten. Die Auswahl der Farben und die Art des Farbauftrags oder -austrags auf dem Bildträger sind energetische Spuren, die zu Beginn noch mit den eigenen Befindlichkeiten zu tun haben. In diesen Farbauftrag wird oft wochenlang mit Unterbrechungen hinein und heraus gearbeitet, bis ein Wesen bereit ist, sich zu zeigen. Ich arbeite wie eine „Geburtshelferin“ indem mich mich bemühe, eine Gestalt sichbar zu machen, die auch andere wahrnehmen können. Viele Autoren und Künstler glaubten nachweislich an die Gegenwärtigkeit von unsichtbaren Wesen oder Engeln und brachten dies in ihren Werken zum Ausdruck. Neben Rainer Maria Rilke und vielen anderen (können so viele Intelligente irren?), ist der Maler Paul Klee einer von ihnen.

„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder,
sondern macht sichtbar“

Paul Klee

Paul Klee ist 1873 geboren und wuchs in einer musischen Familie. Als Dreijähriger malte er das Christkind ohne Flügel, als Fünfjähriger verleiht er ihm gelbe Flügel. Das Sichtbarmachen dieser unsichtbaren himmlischen Wesen ist der schöpferische Anfang eines Künstlers, der rund 10 000 Werke geschaffen hat, darunter 70 Engel. Sie waren seine Begleiter von frühen Kindheitstagen an bis zu seinem Tod in verschiedenen Lebensphasen und Krisen. Seine Hoffnung auf engelhaften Beistand in der Verzweiflung drückt er treffend im folgenden Vers aus:

„Einst werd ich liegen im Nirgendwo, bei Engeln irgendwo.“

Paul Klee zit. nach Friedwald, Boris, Köln 2020

Die Medien, die heute Kinderzimmer und damit die Hirne der Kinder besiedeln, gab es damals noch nicht. So konnte er sich als Kind seinen ureigensten Empfindungen und Vorstellungen hingeben und sie bildlich gestalten. Was für ein Geschenk für die Nachwelt!

ENGEL – das personifizierte Wohlwollen

Schutzengel / Taufengel
Schutzengel

Der Glaube, dass uns Engel begleiten, stärkt uns. Das Gefühl sie an unserer Seite zu wissen, gibt Geborgenheit und Hoffnung auf Unterstützung. Dabei helfen Engelbilder uns ihrer Präsenz zu versichern oder sie anrufen zu können. Man ist nicht allein, „von allen guten Geistern verlassen..“, wie es der Volksmund ausdrückt. Engel stellen das personifizierte Wohlwollen dar.

Neurophysiologisch betrachtet, aktiviert das Betrachten und sich Versenken in Bilder die rechte Hirnhälfte und weckt damit unsere Kreativität und Phantasie. Kreativität in Kombination mit Zuversicht ist die Basis der Problemlösungskompetenz, die wir brauchen, um Angst zu bewältigen.