Portrait von Maria Hof-Glatz

Portrait von Maria Hof-Glatz

Maria Hof-Glatz

Diplom- Psychologin
Buchautorin
Kreativitätstrainerin
Künstlerin


Wie ich dazu kam…

Ich bin im Schwarzwald geboren und aufgewachsen. Bilder, vor allem die Schutzengelbilder von Fridolin Leiber hingen früher in fast allen Stuben und Kammern.

Wer ist Fridolin Leiber? Er ist 1853 geboren und starb 1912. Zu Lebzeiten schuf er viele Bilder, die weltweit bekannt wurden, während sein Name und seine Person in Vergessenheit gerieten.

Schutzengel von Fridolin Leiber

Dieses Schutzengelbild ist eine prägende Erinnerung an meine Kindheit. Es hing an der Wand in der Schlafkammer meiner Großmutter. Wenn ich im Bett lag und sie mich mit dem Schutzengelgebet in den Schlaf verabschiedete, weilten meine Augen auf diesem Bild. Der gefährliche Abgrund, an dem das kleine Mädchen Blumen pflücken wollte, machte mir Angst. Aber die Großmutter verwies auf den Engel, der aufpasste. Er würde auch auf mich aufpassen. Das beruhigte mich. Zusätzlich hörte ich allabendlich von ihr das Gebet, das mir versicherte, dass mich 14 Schutzengel bewachten und begleiten. 14 Engel – was für ein Luxus an Personenschutz! Nur für mich allein an meinen Seiten, den ganzen Körper entlang. Das beruhigte mich so, das ich leicht in den Schlaf fiel. Alles war gut. Ein wunderbares Ritual, das mir als Kind Zuversicht und Vertrauen schenkte. Heute würde man von Resilienz sprechen.

Abendgebet
Abends wenn ich schlafen geh,
Vierzehn Engel bei mir stehn,
Zwei zu meiner Rechten,
Zwei zu meiner Linken,
Zwei zu meinen Häupten,
Zwei zu meinen Füßen,
Zwei die mich decken,
Zwei die mich wecken,
Zwei die mich weisen
In das himmlische Paradeisen.

Quelle unbekannt

Den Inhalt des Gebets hatte ich vergessen. An die Beschützer erinnerte ich mich immer wieder, eine Vorstellung, die mich in schwiertigen Situationen stärkte und zuversichtlich machte. Durch die Möglichkeit der Internetrecherche fand ich das Gebet wieder.

Auch die Erinnerung an das Schutzengelbild hatte sich erhalten, obwohl die Bilder von Fridolin Leiber allmählich aus den Stuben verschwanden. Sie galten als Kitsch.

Jahrzehnte sind seither vergangen. Der bäuerlichen Kultur bin ich entwachsen, aber sie prägt und erdet mich noch immer. Nach meinen Studien gründete ich eine Familie und wohne seither am Bodensee, am westlichen Teil, den man Gnadensee nennt. Immer noch oder besser gesagt, immer mehr fühle ich mich von Engeln begleitet und geführt.

Fridolin Leibers Bilder sind weltweit bekannt geworden, aber der Künstler geriet in Vergessenheit. Vor wenigen Jahren hat der Kurator des Heimatmuseums in Niedereschach im Schwarzwald, Hans Otto Wagner, recherchiert und heraus gefunden, dass Fridolin Leiber 1833 in Niedereschach als Sohn einer Bauernfamilie geboren ist und als Uhrenschildermaler tätig war. Nach seiner erfolgreichen Berwerbung bei einer grafischen Firma in Frankfurt, war er dort bis zu seinem Tod beschäftigt. Neben den Engelbildern schuf er auch weitere Motive. Wagner hat nun sein Werkverzeichnis erstellt. Das Museum gedenkt seiner in einer Dauerausstellung und sammelt weiter Bilder, um sein Schaffen zu dokumentieren.

Warum erwähne ich das?

Niedereschach ist mein Geburtsort – sein Geburtshaus war in meiner Nachbarschaft und mein Vater hieß ebenfalls Fridolin. So schliessen sich die Kreise. Zufall? Fügung? Egal – es ist schön, die Begleitung so nahe zu wissen.