Schöne Erinnerungen erschweren die Trennung.

Dankbarkeit wandelt den Schmerz in Freude.

Zusammenfinden und Loslösen

Wenn sich Menschen finden, privat oder beruflich, dann gibt es  Rituale, um die Zusammengehörigkeit zu dokumentieren. Meist geschieht das im Austausch von Gegenständen mit Symbolgehalt wie z.B. Ringen oder dem Begehen von Zeremonien und Ritualen, allein oder mit Gästen z.B.:  Amtseinführungen, Einstandsfeiern, Einweihungen o.ä. Das bedeutet, dass der Übergang in einen neuen Status angezeigt und auch bewusst gemacht wird.

Aber wie ist es beim Abschied oder bei Trennungen? Wie verhalten sich Menschen, wenn es sich um schmerzhafte Vorgänge handelt? Wie werden Beziehungen beendet, wie werden Kündigungen kommuniziert, wie werden Lebensabschnitte, Wohnortwechsel etc. zelebriert?

Hier neigen die Betroffenen eher zu Vermeidungsverhalten, um die schmerzhaften Gefühle zu verdrängen oder zu leugnen. Das bedeutet in der Konsequenz, dass Verunsicherungen die Atmosphäre bestimmen, wodurch Unstimmigkeiten oder Blockaden entstehen. Im Umgang mit Vermeidungsverhalten entwickeln sich Unklarheit, Gehemmtheit oder Unsicherheiten. Offenheit und Vertrauen treten in den Hintergrund und bereiten den Boden für Instabilität.

Eindrücklich kann das am Beispiel vermisster Personen dargestellt werden. Die Angehörigen wissen nicht, in welchem Status sie sich befinden. Sie schwanken zwischen Hoffnung und Verzweiflung, können nicht abschließen und sich daher auch nicht neu orientieren. Es ist unklar wie der aktuelle Status ist: ist die Person tot oder lebt sie noch? Zweifel dieser Art lösen Seelenschmerzen aus. Trauer wäre ein Gefühl, das erlösen könnte. Aber dazu braucht es Gewissheit, Klarheit.

Abschiede -Kündigungen

Verabschiedungen und Trennungen gehören zum Leben und können nicht vermieden werden. Sie zählen zu den Reifungsprozessen und fordern Bewältigungsstrategien.

Abschiede gibt es von Lebensabschnitten, den eigenen oder denen der Kinder oder Angehörigen, von Orten, Kulturen, Tätigkeiten. Nicht alle Probleme können zur Lösung geführt werden. Hier gilt es los zu lassen und die eigene Ohnmacht zu akzeptieren. Dabei geht es immer darum, Gewohntes aufzugeben, um sich auf etwas einzulassen, was noch nicht vertraut ist und verunsichert. Auch Wachstums- und Wandlungschmerzen tun weh. Wenn dieser Prozess nicht angenommen und bewußt durchlaufen wird, entstehen Verunsicherungen, Blockaden, depressive Verstimmungen.

Trennungsphasen

Trennungen und Veränderungen vollziehen sich in Phasen, die mehr oder weniger ausgeprägt zu beobachten sind.

Jeder Mensch bewältigt eine Trennung anders, dennoch gibt es Phasen in Trennungen, die immer mehr oder weniger ausgeprägt zu beobachten sind.

Häufig kommen diese Phasen sogar in einer ähnlichen Reihenfolge hintereinander. Oft wird eine Phase übersprungen oder eine Trennungsphase besonders lange durchlitten. Es kann auch sein, dass mit den Phasen der Trennung bereits begonnen wurde, bevor die Trennung eigentlich vollzogen wurde.

Die einzelnen Phasen der Trennung/Kündigung ähneln den Phasen der Trauer und des Sterbens. In Ahnlehnung an Verena Kast stellen sich diese Phasen wie folgt dar:

Erste Phase

Schockzustand , Nicht-Wahrhaben-Wollen: Der Verlust wird verleugnet, der oder die Betroffenen fühlen sich zumeist empfindungslos und starr vor Entsetzen: „Es darf nicht wahr sein, ich werde erwachen, das ist nur ein böser Traum!“ Die erste Phase ist meist kurz, sie dauert ein paar Tage bis wenige Wochen.

Zweite Phase

Aufbrechende Emotionen: Jetzt werden Trauer, Wut, Freude, Zorn, Angstgefühle und Ruhelosigkeit durcheinander erlebt. Sie sind oft von Schlafstörungen begleitet. Eventuell setzt die Suche nach einem oder mehreren „Schuldigen“ ein. Das Zulassen von aggressiven Gefühlen Wut kann Depressionen verhindern.

Nur wenn die adäquaten Emotionen erlebt und zugelassen werden, kann die nächste Phase erreicht werden.

Dritte Phase

Bei Trennungen und Kündigungen kann hier eine aktive Phase des Widerstands einsetzen: kämpfen, um zurück zu holen.

Vierte Phase

Akzeptanz: es ist wie es ist. Zu sich kommen. Depression, Trauer.

Loslassen.

Fünfte Phase

Neuorientierung: diese Phase ist ein Aufbruch. Es entsteht ein neuer Selbst- und Weltbezug. Der Verlust ist akzeptiert. Neue Beziehungen, neue Rollen, neue Verhaltensmöglichkeiten, neue Lebensstile können möglich werden. Dass jede Beziehung vergänglich ist, dass alles Einlassen auf das Leben an den Tod grenzt, wird als Erfahrung integrierbar. Arbeitsplätze bieten keine Sicherheit mehr, egal wie zuverlässig und gut man geleistet hat. Idealerweise kann man sich dann trotz dieses Wissens auf neue Bindungen einlassen, weil man weiß, dass Verluste schmerzen, aber Veränderungen auch neues Leben in sich bergen.

Rückschläge und Niederlagen gehören zum Leben. Es kommt darauf an, wenigstens einmal mehr aufzustehen als nieder zu gehen und die Bedeutung der Botschaft zu verstehen!

Themen

Trennungen, Scheidungen, Kündigungen:

Hier geht es um das Auflösen und Aufgeben von Beziehungen, die stark mit Emotionen in Verbindung stehen. Der Stressfaktor ist dabei sehr hoch. Oft wollen die Beteiligten nicht akzeptieren, dass die Partner oder Partnerinnen sich abwenden. Im Berufsleben geht es ebenso um Kränkungen und Verletzungen wie um die Gefährdung der eigenen Existenz.

Gewohntes aufgeben: bewusst abschließen, bewerten und würdigen,

Übergänge gestalten und Neubeginn inszenieren

Veränderungen gestalten: Berufe/Arbeitsplatz wechseln, Wohnorte/Wohnungen verlassen

Lebensphasen abschließen: z.B. Kinder verlassen das Haus,

Partner/Angehörige ziehen ein

Vorgehen

z.B. bei Trennungen: Auswege suchen statt aus und weg. Getrennt vereint die Zukunft gestalten, vor allem dann, wenn Kinder, Freunde oder andere Bezugspersonen mit betroffen sind.

Beratung: anstehende Veränderungen werden besprochen, geklärt, Schritte geplant

Planung des Vorhabens, wer ist betroffen, wer soll miteinbezogen werden?

Gestaltung des Auseinandergehens, des Abschließens , Optionen und Perspektiven eines Neubeginns

Abgrenzen und vereinen in Gesprächen zur Konfliktklärung, Verhandeln beruflich oder privat durch mediative Techniken

Rituale

Rituale sind Handlungen, die auf eine bestimmte Art und Weise in einer bestimmten Reihenfolge ausgeführt werden müssen, zu denen möglicherweise bestimmte Formeln gesprochen werden. Rituale machen Übergänge bewusst und geben Sicherheit. Wichtige Elemente dabei sind die Örtlichkeit, Symbole und Wiederholungen.

Ziel bei der Arbeit an einer Trennungskultur ist es, Veränderungen und Prozesse bewusst zu machen, Emotionen zu zulassen und auszuhalten, um durch den bewussten Leidensprozess Neuordnungen entstehen zu lassen. Wird dieser Schmerz unterdrückt oder verdrängt, dann ist das die Basis für Verhaltensstörungen oder Suchtprobleme.

Sucht hat mit Suchen zu tun.

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